Mentoring für Jugendliche: Programm sicher aufbauen

Aktualisiert: 7. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit

Mentoring für Jugendliche ist ein strukturiertes Programm, in dem eine Organisation Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene mit geprüften und geschulten erwachsenen Mentoren zusammenbringt, die sich über einen vereinbarten Zeitraum regelmäßig treffen. Die Organisation wählt aus, matcht, begleitet und schließt jedes Tandem ab, damit der Mentee eine verlässliche, sichere Bezugsperson bekommt.

Dieser Leitfaden richtet sich an Vereine, Stiftungen, Schulen und Kommunen, die ein solches Programm gut aufsetzen wollen: Modelle, unverzichtbarer Kinderschutz, Aufbauschritte und Finanzierung.

Was unterscheidet Mentoring für Jugendliche von anderem Mentoring?

Vieles funktioniert wie in jedem Mentoring-Programm: Gewinnung, Matching, Treffen, Abschluss. Drei Dinge ändern sich.

Es gibt ein Alters- und Machtgefälle, oft auch ein rechtliches. Ist der Mentee minderjährig, trägt das Programm eine Fürsorgepflicht. Schutz ist kein Zusatz, sondern das Fundament.

Verlässlichkeit zählt mehr als Expertise. Jugendliche brauchen keinen perfekten Lebenslauf, sondern einen Erwachsenen, der jedes Mal kommt, so lange wie versprochen.

Mehr Beteiligte. Eltern, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, Jugendamt. Ein gutes Programm hält sie informiert, ohne den Mentor zum Sozialarbeiter zu machen.

Welches Modell passt zu Ihrem Programm?

Wählen Sie das Modell zuerst: Es bestimmt Schutzkonzept, Budget und Partner.

ModellSo funktioniert esGeeignet fürNachteil
GemeinwesenbasiertEin Erwachsener, ein junger Mensch; Treffen in der Freizeit (Aktivitäten, Ausflüge, Gespräche), meist einige Stunden im Monat. Bekanntestes Beispiel: Big Brothers Big Sisters.Langfristige Beziehungen, Jugendliche, die außerhalb der Schule eine stabile Bezugsperson brauchenHöchster Schutz- und Begleitaufwand; längste Prüfung
SchulbasiertTandems treffen sich in der Schule, während oder direkt nach dem Unterricht, nach festem Plan.Schulische Motivation, Jugendliche, die sich sonst nirgends anmelden würdenAn den Schulkalender gebunden; Ferien unterbrechen
E-MentoringAustausch über eine vom Programm gestellte Plattform, per Nachricht oder Video.Berufsorientierung, ältere Jugendliche, ländliche RegionenSchwächere Bindung, wenn rein online; sichtbarer Kanal nötig
GruppeEin bis zwei Mentoren mit einer kleinen Gruppe, oft rund um ein gemeinsames Thema.Peer-Unterstützung, Workshops, wenige MentorenWeniger individuelle Zuwendung; Gruppendynamik braucht Steuerung

Starten Sie den Pilot mit einem Modell und ergänzen Sie ein zweites erst, wenn das erste rund läuft.

Welchen Kinderschutz braucht ein Mentoring-Programm für Jugendliche?

Kinderschutz ist nicht verhandelbar. Die Rechtslage zur Arbeit mit Minderjährigen unterscheidet sich zwischen Ländern und teils Regionen. Sehen Sie die folgende Liste als Mindestgerüst eines Schutzkonzepts und lassen Sie es vor dem Start von einer fachkundigen Stelle gegen das geltende Recht prüfen.

  • Überprüfung und Auswahl. Holen Sie die Nachweise ein, die Ihr Land für die Arbeit mit Kindern vorsieht (in Deutschland etwa das erweiterte Führungszeugnis). Ergänzen Sie Bewerbung, mindestens zwei Referenzen und ein persönliches Gespräch.
  • Einwilligung der Sorgeberechtigten. Holen Sie vor dem Matching eine schriftliche Einwilligung ein. Erklären Sie Ablauf, Häufigkeit und Orte der Treffen und wie Bedenken gemeldet werden.
  • Begleitete oder sichtbare Kommunikation. Tandems kommunizieren über Kanäle, die das Programm einsehen kann: Programmplattform, gemeinsame Gruppe oder ein Kanal mit Koordinator in Kopie. Keine privaten Social-Media-Kontakte, keine privaten Messenger, keine Treffen hinter verschlossenen Türen.
  • Datenschutz für Minderjährige. Erheben Sie nur das Nötige, speichern Sie sicher, beschränken Sie Zugriffe und legen Sie Löschfristen fest. Halten Sie die DSGVO bzw. das für Sie geltende Datenschutzrecht ein, einschließlich der Regeln zur Einwilligung Minderjähriger.
  • Klare Meldewege. Alle Beteiligten wissen, an wen sie sich wenden, wenn sich etwas falsch anfühlt, und was dann passiert. Benennen Sie eine Kinderschutz-Ansprechperson und eine Vertretung. Mentoren dürfen nicht versprechen, eine Offenbarung von Gefährdung geheim zu halten.
  • Schriftlicher Verhaltenskodex. Geschenke, Fahrten, Körperkontakt, Fotos, Treffen außerhalb vereinbarter Zeiten: Regeln vorher festlegen und von jedem Mentor unterschreiben lassen.

Als anerkannten Bezugspunkt nutzen viele Programme MENTORs Elements of Effective Practice for Mentoring, einen Standard für Gewinnung, Prüfung, Schulung, Matching, Begleitung und Abschluss. Nutzen Sie ihn als Checkliste neben den lokalen Vorgaben, nicht statt ihrer.

Wie bauen Sie ein Mentoring-Programm für Jugendliche Schritt für Schritt auf?

  1. Ziel und Zielgruppe festlegen. Wen genau erreichen Sie (Alter, Region, Bedarf) und was soll sich für sie ändern? “Jugendliche unterstützen” ist kein Ziel; “14- bis 16-Jährige an zwei Schulen beim Übergang in die Ausbildung begleiten” schon.
  2. Partner gewinnen. Schulen, Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, lokale Unternehmen und Vereine vermitteln Jugendliche, stellen Räume und oft Mentoren. Regeln Sie schriftlich, wer was übernimmt, vor allem im Verdachtsfall.
  3. Mentoren gewinnen und prüfen. Suchen Sie Verlässlichkeit und Empathie, nicht Prestige. Seien Sie ehrlich zum Zeitaufwand. Alle durchlaufen dieselbe Prüfung.
  4. Vor dem Matching schulen. Schutzkonzept, Verhaltenskodex, Grenzen, aktives Zuhören, Umgang mit Offenbarungen. Ein vollständiges Curriculum finden Sie in unserem Leitfaden zur Mentorenschulung.
  5. Sorgfältig matchen. Fragen Sie Jugendliche und Familie, was ihnen wichtig ist: Interessen, Sprache, Verfügbarkeit. Pflichtregeln für Sicherheit und Logistik, geringe Gewichtung für Interessen. Die Mechanik erklärt unser Leitfaden Mentoren und Mentees matchen.
  6. Treffrhythmus festlegen. Häufigkeit (wöchentlich oder zweiwöchentlich ist üblich), Dauer, Ort, Mindestlaufzeit. Für die ersten Treffen eine leichte Struktur vorgeben, danach Raum lassen.
  7. Tandems begleiten. Regelmäßig, anfangs monatlich, bei Mentor, Mentee und Eltern nachfragen. Die meisten Probleme sind lösbar, wenn man früh davon erfährt.
  8. Bewusst abschließen. Ein letztes Treffen planen, gemeinsam zurückblicken und klären, ob und wie Kontakt im Rahmen der Programmregeln weitergeht. Ein ungeplantes Verschwinden ist das, was es zu vermeiden gilt.
  9. Wirkung messen. Teilnahme (Matches, Treffen, Beziehungsdauer), Beziehungsqualität (kurze Befragungen beider Seiten) und die Ergebnisse, die zu Ihrem Ziel gehören. Erheben Sie zu Beginn eine Ausgangslage.

Wie halten Sie Mentoren und Jugendliche im Programm?

  • Den Aufwand bei der Gewinnung klar benennen. Wer mitten im Jahr aussteigt, wusste meist nicht, worauf er sich einlässt.
  • Den ersten Monat leicht machen. Aktivitätsvorschläge und Gesprächseinstiege nehmen Druck.
  • Beide Seiten getrennt fragen. Jugendliche beschweren sich selten beim Mentor; fragen Sie sie direkt und altersgerecht.
  • Ferien vorausplanen. Pause mit festem Neustart, Gruppenangebote oder begleitetes E-Mentoring.
  • Mentoren vernetzen. Regelmäßige Mentorentreffen halten Ehrenamtliche im Austausch.

Wie finanzieren Sie ein Mentoring-Programm für Jugendliche?

Meist aus einem Mix: öffentliche Mittel (Jugend-, Bildungs- oder Sozialetats), Stiftungen, Unternehmenspartner, die auch Mitarbeitende als Mentoren stellen, Spenden und Sachleistungen wie kostenlose Räume in Schulen oder Bibliotheken.

Planen Sie diese Budgetposten ein:

  • Personalzeit für Koordination. In den meisten Programmen der größte Posten.
  • Prüfkosten. Je nach Land können Nachweise Gebühren kosten.
  • Schulung. Raum, Material, Trainerzeit, Auffrischungen.
  • Aktivitäten und Fahrten. Kleine Budgets pro Tandem, Fahrtkosten, Gruppenveranstaltungen.
  • Werkzeuge. Eine Plattform für Bewerbung, Matching, Terminplanung und sichtbare Kommunikation.
  • Evaluation und Versicherung. Befragungstools, ggf. externe Evaluation, Haftpflicht für Ehrenamtliche.

Vereinbaren Sie mit Geldgebern vor dem Start zwei bis drei Wirkungsindikatoren und erheben Sie Daten ab dem ersten Tag. Mehr zu Programmgestaltung finden Sie in unseren Leitfäden.

Wie hilft Software bei einem Mentoring-Programm für Jugendliche?

Für die Koordination übernimmt Mentornity den administrativen Kern: Bewerbungsformulare für Mentoren und Mentees mit manueller Prüfung, sodass niemand ohne Ihre Auswahl ins Programm kommt; regelbasiertes Matching mit Pflichtregeln und einem Vergleich jedes Paares vor der Freigabe; Terminplanung; Ankündigungen mit moderierbaren Kommentaren; und exportierbare Berichte für Geldgeber. Pro Match lässt sich eine Koordinatorin oder ein Koordinator zuweisen.

Wie das zu Vereinen und Communities passt, zeigt die Seite Mentoring-Software für Communities. Bis 10 Nutzer ist Mentornity kostenlos, sodass Sie eine Pilotgruppe ohne Verpflichtung aufsetzen können.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Mentoring-Programm für Jugendliche?

Ein Mentoring-Programm für Jugendliche ist ein strukturiertes Angebot, bei dem ein Verein, eine Stiftung, eine Schule oder eine Kommune junge Menschen mit geprüften und geschulten ehrenamtlichen Erwachsenen zusammenbringt, die sich über einen festen Zeitraum regelmäßig treffen. Die Organisation wählt aus, matcht und begleitet die Tandems; das unterscheidet sie von informellem Mentoring.

Wie startet man ein Mentoring-Programm für Jugendliche?

Legen Sie Zielgruppe und Ziel fest, gewinnen Sie Partner wie Schulen oder die Jugendhilfe und schreiben Sie Ihr Schutzkonzept, bevor Sie irgendjemanden aufnehmen. Danach Mentoren gewinnen und prüfen, schulen, sorgfältig matchen, einen Treffrhythmus festlegen, Tandems begleiten, Beziehungen bewusst abschließen und Wirkung messen. Der sicherste Einstieg ist eine kleine Pilotgruppe.

Brauchen Mentoren für Jugendliche ein Führungszeugnis?

In nahezu jedem seriösen Programm ja. Wer mit Minderjährigen arbeitet, sollte die Überprüfung durchlaufen, die Ihr Land vorsieht, etwa ein erweitertes Führungszeugnis in Deutschland, ergänzt um Referenzen und ein persönliches Gespräch. Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Land; prüfen Sie sie vor Ort.

Wie lange sollte eine Mentoring-Beziehung mit Jugendlichen dauern?

Die meisten Programme verlangen mindestens ein Schuljahr oder zwölf Monate. Beziehungen, die früh und abrupt enden, können Jugendliche enttäuschen, die von Erwachsenen schon oft enttäuscht wurden. Nennen Sie die Dauer von Anfang an und planen Sie einen echten Abschluss.

Funktioniert Mentoring für Jugendliche auch online?

Ja. E-Mentoring eignet sich gut für Berufsorientierung, ländliche Regionen und ältere Jugendliche. Es braucht denselben Schutz wie Mentoring in Präsenz: einen Kanal, den das Programm einsehen kann, keine privaten Social-Media-Kontakte und klare Regeln für Videocalls und persönliche Daten.

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