Mentoren gewinnen: So finden Sie Mentoren fürs Programm
Mentoren gewinnen heißt, Menschen mit passender Erfahrung zu finden, einzuladen und auf ihre Rolle vorzubereiten, damit sie einem Mentoring-Programm Zeit schenken. Am besten funktioniert das als geplante Kampagne: Bedarf berechnen, dorthin gehen, wo diese Menschen sind, eine klare und überschaubare Bitte formulieren und sie so begleiten, dass sie auch im nächsten Durchgang dabei sind.
Die meisten Programme scheitern nicht an fehlenden Mentees, sondern an fehlenden Mentoren. Mentees melden sich von selbst; Mentoren muss man fragen.
Wie viele Mentoren brauchen Sie wirklich?
Rechnen Sie von den Mentees aus, nicht umgekehrt.
- Mentee-Bedarf schätzen. Anmeldungen aus dem Vorjahr, Größe der Zielgruppe oder die Zahl der geplanten Plätze. Beim ersten Durchgang setzen Sie eine Obergrenze.
- Verhältnis festlegen. Im klassischen 1:1-Mentoring begleitet jede Mentorin eine Mentee. Erfahrene Mentoren schaffen bei monatlichen Treffen oft zwei bis drei. Im Gruppenmentoring erreicht eine Person deutlich mehr Menschen.
- Teilen und Reserve einplanen. Mentees geteilt durch das Verhältnis ergibt das Minimum. Dazu kommen einige Reserve-Mentoren, zum Beispiel zwei zusätzliche je zehn benötigte, für Absagen, Rematches und Nachzügler.
- Die Mischung prüfen. Wenn die Hälfte der Mentees in eine Führungsrolle will, brauchen Sie genug Mentoren mit echter Führungserfahrung. Zählen Sie nach Kompetenzen, nicht nur Köpfe.
Wo finden Sie Mentoren je nach Programmtyp?
Persönliche Netzwerke schlagen offene Aufrufe fast immer, weil Menschen einer bekannten Person zusagen.
| Programmtyp | Woher Mentoren meist kommen | Was oft funktioniert |
|---|---|---|
| Unternehmensprogramme | Erfahrene Fach- und Führungskräfte, frisch Beförderte, Führungskräfte anderer Bereiche, Ruheständler | Sichtbare Unterstützung der Geschäftsführung, Nominierung durch Vorgesetzte, Mentoring als Entwicklungszeit anerkennen |
| Hochschulen und Alumni | Alumni, Lehrende, Industriepartner, Beiräte | Alumni-Verteiler, Career Service, Professorinnen und Professoren, die ehemalige Studierende ansprechen |
| Acceleratoren und Inkubatoren | Gründer früherer Kohorten, Investoren, Fachleute aus Partnerunternehmen | Jede Mentorin nach ein, zwei Kolleginnen fragen, Sprechstunden-Formate für volle Kalender |
| Verbände und gemeinnützige Organisationen | Erfahrene Mitglieder, Vorstände, Branchenpartner, Ruheständler | Newsletter und Veranstaltungen, Mentoring als Beitrag zum Berufsstand positionieren |
| Jugendprogramme | Freiwillige aus der Region, lokale Arbeitgeber, Studierende, Vereine | Kooperationen mit Arbeitgebern und Hochschulen, klare Schutzkonzepte, die Freiwilligen Sicherheit geben |
Zwei Quellen werden fast überall unterschätzt: ehemalige Mentees, die etwas zurückgeben wollen und das Programm von innen kennen, und die Netzwerke bestätigter Mentoren. Bitten Sie jede Zusage um ein, zwei Empfehlungen.
Was sollte die Einladung sagen?
Eine gute Einladung beantwortet vier Fragen, bevor jemand Ja sagen kann:
- Warum ich? Nennen Sie die konkrete Erfahrung, die passt. Allgemeines Lob wirkt wie ein Serienbrief.
- Wie viel Zeit, wie lange? Eine Zahl: „eine Stunde pro Monat über sechs Monate, plus 60 Minuten Einführung.”
- Was habe ich davon? Ehrlich bleiben: neue Perspektiven, Übung im Coachen und Feedbackgeben, ein breiteres Netzwerk, Anerkennung und die Freude, jemandem auf einem bekannten Weg zu helfen.
- Welche Unterstützung gibt es? Einführung, feste Ansprechperson, Gesprächsleitfäden und ein einfacher Weg, ein Problem anzusprechen oder auszusteigen.
Ein kurzes Beispiel zum Anpassen:
Betreff: Würden Sie in diesem Frühjahr eine junge Ingenieurin begleiten?
Hallo Frau Becker,
ich betreue unser Mentoring-Programm für Ingenieurinnen und Ingenieure in den ersten zwei Berufsjahren. Ihr Wechsel vom Support in die Produktentwicklung ist genau der Weg, nach dem mehrere Mentees fragen.
Der Aufwand: eine Stunde pro Monat mit einer Mentee, von März bis August, plus eine 60-minütige Einführung im Februar. Leitfäden und Terminplanung übernehmen wir; bei Fragen bin ich Ihr Kontakt.
Die Anmeldung dauert etwa fünf Minuten: [Link]. Eine Rückmeldung bis 15. Februar wäre ideal. Passt es zeitlich nicht, genügt ein kurzes Nein.
Viele Grüße, Jan Hoffmann
Wie machen Sie das Ja leicht?
- Klare, begrenzte Zusage. Start, Ende und Rhythmus. Sechs Monate sagt man leichter zu als „unbefristet”.
- Kurze Anmeldung. Nur, was Sie für Matching und Prüfung brauchen: Erfahrungsfelder, Verfügbarkeit, Zahl der Mentees, Präferenzen.
- Mehrere Formate. Einzelne Flash-Mentoring-Gespräche, Sprechstunden oder Gruppentermine erlauben auch Vielbeschäftigten einen Beitrag. Manche wechseln danach in eine längere Rolle.
- Kapazität selbst festlegen lassen. Fragen Sie, wie viele Mentees jemand übernehmen kann, und halten Sie sich daran.
- Verwaltung abnehmen. Terminplanung, Erinnerungen und Formulare laufen zentral; die Mentoren konzentrieren sich auf das Gespräch.
Wie prüfen und onboarden Sie neue Mentoren?
Die Tiefe der Prüfung richtet sich nach dem Risiko. Bei internen Programmen mit Erwachsenen reichen Bewerbung, Abgleich mit dem Bedarf und bei Unklarheiten ein kurzes Gespräch. Bei Minderjährigen, schutzbedürftigen Gruppen oder externen Freiwilligen kommen Referenzen, die gesetzlich oder vom Schutzkonzept Ihrer Organisation geforderten Nachweise und ein unterschriebener Verhaltenskodex hinzu. Für personenbezogene Daten im Bewerbungsformular gilt die DSGVO.
Danach macht eine Einführung aus Freiwilligen sichere Mentoren: Programmziele, ein gutes erstes Treffen, Grenzen und Vertraulichkeit, Ansprechpersonen. Ein vollständiges Curriculum und einen 90-Minuten-Ablauf finden Sie im Leitfaden zur Mentorenschulung.
Wie halten Sie Mentoren für den nächsten Durchgang?
- Konkret danken, mit Bezug auf das, was die Mentee erreicht hat.
- Öffentlich anerkennen, mit Zustimmung: Newsletter, Veranstaltung, LinkedIn.
- Wirkung zeigen: kurzes, anonymisiertes Feedback der Mentees und Programmergebnisse.
- Verwaltung schlank halten: Jedes unnötige Formular kostet Wohlwollen.
- Sauber abschließen und fragen: wieder dabei, Pause oder anderes Format?
- Feedback einholen und vor dem nächsten Durchgang ein, zwei Dinge sichtbar verbessern.
Wie sieht ein Zeitplan für die Mentorengewinnung aus?
Für einen Programmstart in etwa zwei Monaten:
- Woche 1–2: planen. Mentee-Zahl, Verhältnis, Reserve und benötigte Kompetenzen festlegen; Zeitaufwand und Nutzen aufschreiben.
- Woche 2: Anmeldung aufsetzen. Kurzes Bewerbungsformular und Prüfschritte festlegen.
- Woche 3–5: persönliche Ansprache. Führungskräfte und Partner laden persönlich ein; Zusagen um Empfehlungen bitten.
- Woche 4–6: breiter Aufruf. Newsletter, Intranet, Alumni- oder Mitgliederkanäle für verbleibende Lücken.
- Woche 6: schließen und prüfen. Bewerbungen sichten, Kapazitäten bestätigen.
- Woche 7: Einführung. Mentorenschulung und Programmkalender.
- Woche 8: matchen und starten. Tandems bilden, vorstellen, erste Treffen planen.
Führen Sie eine Liste derer, die „jetzt nicht” gesagt haben. Sie sind die leichtesten Zusagen beim nächsten Mal.
Mentorengewinnung mit Mentornity
Wenn Sie das Programm selbst verantworten, kann Software wiederkehrende Schritte übernehmen. In Mentornity veröffentlichen Sie ein öffentliches Bewerbungsformular für Mentoren mit automatischer oder manueller Freigabe, importieren bekannte Mentoren per Excel und sehen, ob jede Einladungs-E-Mail zugestellt und geöffnet wurde. Mentoren legen ihre Verfügbarkeit selbst als Zeitfenster fest; am Ende gibt es regelbasierte Zertifikate mit öffentlicher Prüfseite. Mehr dazu für Communities und ehrenamtliche Programme, oder kostenlos testen mit bis zu 10 Nutzern.
Weitere Themen rund um Ihr Programm finden Sie in den Leitfäden.