Mentoring-Programm evaluieren: Modell, KPIs und Zeitpunkte

Aktualisiert: 8. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit

Ein Mentoring-Programm evaluieren heißt, strukturiert zu prüfen, ob das Programm wie geplant läuft und die Ziele voranbringt, für die es aufgesetzt wurde. Sie messen Beteiligung, Qualität der Mentoring-Beziehungen und einige Ergebnisindikatoren zu festen Zeitpunkten, von der Ausgangsmessung bis zur Nachbefragung, und verbessern damit die nächste Runde.

Fast jedes Programm sammelt Daten. Wenige sammeln die richtigen zur richtigen Zeit. Dieser Leitfaden gibt Ihnen ein Modell, ein KPI-Set zum Übernehmen, einen Messkalender und die Fallen, die eine Evaluation besser oder schlechter aussehen lassen, als das Programm ist.

Warum ein Mentoring-Programm überhaupt evaluieren?

  1. Um es im Lauf zu verbessern. Ein Halbzeit-Check, der zeigt, dass ein Drittel der Tandems sich nicht mehr trifft, ist mehr wert als ein schöner Abschlussbericht.
  2. Um zu entscheiden, was bleibt. Welches Format, welche Matching-Regeln und welche Sitzungsstruktur lohnen sich für die nächste Kohorte?
  3. Um dem Auftraggeber zu antworten. Geschäftsführung, Vorstand oder Fördergeber werden fragen, was das Programm gebracht hat.

Treibt nur der dritte Grund die Evaluation, wird sie zur Berichtspflicht, die niemand nutzt. Beginnen Sie mit den ersten beiden.

Welches Modell eignet sich?

Am bekanntesten ist das vierstufige Modell von Donald Kirkpatrick, ursprünglich für Weiterbildung entwickelt. Es passt gut zum Mentoring, weil es trennt, was Menschen empfunden haben, und was sich tatsächlich verändert hat.

EbeneFrage für das Mentoring-ProgrammTypische Belege
1. ReaktionFanden Mentoren und Mentees die Beziehung lohnend?Feedback nach Treffen, Abschlussbefragung
2. LernenWas haben Mentees gelernt: Fähigkeiten, Wissen, Selbstvertrauen, Netzwerk?Selbsteinschätzung zu den Zielen am Anfang und am Ende
3. VerhaltenHandeln Mentees im Job oder Studium anders?Zielfortschritt, Beispiele, Einschätzung von Führungskraft oder Betreuung
4. ErgebnisseHaben sich die Zielkennzahlen bewegt?Verbleib, interne Mobilität, Bereitschaft, Studienfortschritt

Zwei Regeln: Bleiben Sie nicht bei Ebene 1 stehen, denn hohe Zufriedenheit belegt keine Veränderung. Springen Sie nicht direkt auf Ebene 4, denn ohne Ebene 2 und 3 können Sie nicht erklären, warum sich eine Kennzahl bewegt hat.

Welche KPIs sollte ein Mentoring-Programm verfolgen?

Wählen Sie aus jeder Gruppe wenige Kennzahlen aus.

GruppeKPIBerechnung oder ErhebungWas sie zeigt
BeteiligungBewerbungenBewerbungen von Mentoren und Mentees pro Kohorte, gegen ZielNachfrage und Angebot
BeteiligungMatching-QuoteGematchte Teilnehmende ÷ geeignete BewerbendeOb Angebot, Regeln oder Prozess Menschen ausschließen
BeteiligungTreffen pro TandemErfasste Treffen ÷ aktive Tandems, gegen PlanOb die Beziehungen wirklich laufen
BeteiligungAbbrücheTandems ohne Treffen oder vorzeitig beendet ÷ alle TandemsWo und wann das Programm Menschen verliert
QualitätZufriedenheitBewertung plus eine offene Frage, nach Treffen und am EndeWahrgenommener Nutzen, Frühwarnung
QualitätZielfortschrittSelbsteinschätzung je Ziel zu Beginn, Halbzeit und EndeOb am Vereinbarten gearbeitet wird
ErgebnisindikatorVerbleibAnteil der Mentees nach 6 oder 12 Monaten noch im Unternehmen, neben einer VergleichsgruppeEin Signal, kein Wirkungsnachweis
ErgebnisindikatorBeförderung oder interner WechselWechsel im Nachbeobachtungszeitraum, neben einer VergleichsgruppeKarrierebewegung passend zum Programmziel
ErgebnisindikatorBereitschaftBereitschaft für die nächste Rolle, Einschätzung von Führungskraft oder selbstNachwuchs für Führungs- und Nachfolgeprogramme
ErgebnisindikatorStudienfortschrittÜbergang ins nächste Studienjahr, Abschluss, BerufseinstiegDas Pendant zum Verbleib bei Studierenden

Behandeln Sie jede Zeile der Ergebnisgruppe als Indikator, den Sie beobachten, nicht als Wirkung, die das Programm erzielt hat. Und notieren Sie vor dem Start zu jedem KPI einen Zielwert: Eine Zahl ohne Ziel lässt sich nicht lesen.

Wann sollte gemessen werden?

  1. Ausgangsmessung (vor dem ersten Treffen). Mentees schätzen sich zu jedem Ziel ein, dazu einige Fragen zu Selbstvertrauen, Netzwerk und Bleibe- oder Weitermachabsicht.
  2. Halbzeit. Kurzer Puls: Trifft sich das Tandem, ist es hilfreich, blockiert etwas? Jetzt wird neu gematcht oder eingegriffen, nicht berichtet.
  3. Ende des Durchgangs. Vollständige Befragung beider Seiten, erneute Zieleinschätzung, Zahl der Treffen, Abschlussquote.
  4. Nachbefragung (drei bis zwölf Monate später). Verhalten und Ergebnisse brauchen Zeit.

Fertige Fragen für jeden Zeitpunkt finden Sie in der Vorlage Evaluationsfragebogen Mentoring.

Woher kommen die Daten?

  • Befragungen. Kurz, gleichbleibend und zu denselben Zeitpunkten wiederholt, damit Antworten vergleichbar sind.
  • Sitzungs- und Terminaufzeichnungen. Daten, Teilnahme, abgeschlossene Sitzungen, Feedback nach Treffen. Das sind Verhaltensdaten, keine Meinungen, und damit Ihr verlässlichster Beleg für Beteiligung.
  • HR-, Studierenden- oder Mitgliederdaten. Verbleib, interne Wechsel, Studienfortschritt. Hier ist Sorgfalt Pflicht: Zugriff mit HR oder Dateneigentümer klären, den Betriebsrat einbeziehen, wo es einen gibt, Teilnehmende bei der Anmeldung über Zweck und Umfang informieren, nur aggregiert berichten und Gruppen unterdrücken, die so klein sind, dass Einzelne erkennbar wären. Die DSGVO verlangt Datenminimierung und einen klaren Zweck.

Wie vergleicht man fair?

Jede Evaluation trifft irgendwann auf die Frage: Wäre das nicht ohnehin passiert? Wer sich für Mentoring meldet, ist oft schon motivierter, besser vernetzt oder bleibewilliger. Der Vergleich mit allen anderen lässt das Programm besser aussehen, als es ist.

  • Vergleichbare Kontrollgruppe. Mentees mit Nicht-Teilnehmenden ähnlicher Rolle, Ebene, Betriebszugehörigkeit oder ähnlichen Studienjahres vergleichen.
  • Warteliste. Übersteigt die Nachfrage das Mentorenangebot, bilden Wartende für eine Runde eine natürliche Vergleichsgruppe.
  • Gestaffelte Einführung. Zuerst in einigen Bereichen oder Standorten starten, später in den übrigen.

Berichten Sie auch dann Zusammenhänge, nicht Ursachen. Geht es ums Geld, zeigt der Leitfaden ROI eines Mentoring-Programms, wie Sie Kosten und Ergebnisse nebeneinanderstellen, ohne zu übertreiben.

Welche Fehler passieren bei der Evaluation am häufigsten?

  • Keine Ausgangsmessung. Ohne Startpunkt keine Veränderung.
  • Nur Zufriedenheit. Ein beliebtes Programm kann nichts verändern.
  • Zu viele KPIs. Jede Kennzahl braucht eine verantwortliche Person und einen Zielwert.
  • Nur am Ende messen. Tandems, die in Woche drei aufgehört haben, sind dann längst weg.
  • Kausalität behaupten. Verbleib und Beförderung sind Indikatoren, keine bewiesenen Wirkungen.
  • Abbrecher ignorieren. Wer nur Abschließende befragt, bläht jede Zahl auf.
  • Daten, die niemand liest. Legen Sie vorab fest, wer die Ergebnisse erhält und welche Entscheidung daraus folgt. Wie daraus ein Bericht wird, den die Geschäftsführung liest, steht in Mentoring-Ergebnisse berichten.

Die Evaluation ist ein Teil guter Programmsteuerung; den Rest des Zyklus beschreibt Mentoring-Programm verwalten.

Wie hilft Software bei der Evaluation?

Läuft das Programm über Tabellen, müssen Sie Beteiligungsdaten per E-Mail einsammeln. In Mentornity wird jedes über die Plattform gebuchte Treffen mit Datum, Teilnehmenden und Sitzung erfasst; Admins sehen, welche Tandems sich getroffen haben, welche mit ihren Sitzungen im Rückstand sind und welche verstummt sind. Sitzungen können Fragen vor und nach jedem Treffen enthalten, Feedback-Formulare gehören zum Programm, und wer ein offenes Formular oder fehlendes Feedback hat, bekommt eine Erinnerung. Berichte lassen sich als Diagramme, Excel oder PDF exportieren, dazu kommt ein wöchentlich aktualisierter Programm-Gesundheits-Score. Sehen Sie sich an, wie das bei Mentoring im Unternehmen funktioniert, oder testen Sie kostenlos mit bis zu 10 Nutzern.

Weitere Themen rund um Aufbau und Steuerung finden Sie in allen Mentoring-Leitfäden.

Häufig gestellte Fragen

Wie evaluiert man ein Mentoring-Programm?

Klären Sie zuerst, wofür das Programm da ist, und messen Sie dann auf vier Ebenen: Wie haben Mentees und Mentoren es erlebt, was haben sie gelernt, was tun sie im Arbeits- oder Studienalltag anders und haben sich die Kennzahlen bewegt, die das Programm beeinflussen soll. Erheben Sie eine Ausgangsmessung vor dem ersten Treffen, prüfen Sie zur Halbzeit, werten Sie am Ende aus und fragen Sie Monate später nach.

Welche KPIs sind für ein Mentoring-Programm wichtig?

Drei Gruppen. Beteiligung: Bewerbungen, Matching-Quote, Treffen pro Tandem und Abbrüche. Qualität: Zufriedenheit und Fortschritt bei den Zielen der Mentees. Ergebnisindikatoren: Verbleib im Unternehmen, Beförderung oder interner Wechsel, Bereitschaft für die nächste Rolle, bei Studierenden der Studienfortschritt. Wenige Kennzahlen sauber zu verfolgen ist besser als zwanzig nebenbei.

Was ist das Kirkpatrick-Modell im Mentoring?

Das Kirkpatrick-Modell ist ein verbreitetes vierstufiges Modell zur Evaluation von Weiterbildung, benannt nach Donald Kirkpatrick: Reaktion, Lernen, Verhalten und Ergebnisse. Im Mentoring fragt es, ob die Beteiligten die Beziehung wertvoll fanden, was sie gelernt haben, ob sie anders handeln und ob sich die Zielkennzahlen des Programms bewegt haben.

Wann sollte man ein Mentoring-Programm messen?

An vier Punkten: Ausgangsmessung vor dem Matching, kurzer Check zur Halbzeit, ausführliche Auswertung am Ende und eine Nachbefragung drei bis zwölf Monate später. Die Ausgangsmessung lassen die meisten Programme weg, dabei macht erst sie alle späteren Zahlen aussagekräftig.

Lässt sich beweisen, dass Mentoring die Bindung erhöht?

Selten mit Sicherheit. Wer sich freiwillig für Mentoring meldet, unterscheidet sich oft von anderen, ein einfacher Vergleich schönt das Ergebnis. Eine vergleichbare Kontrollgruppe, eine Warteliste oder eine gestaffelte Einführung bringen Sie näher heran. Berichten Sie dennoch Zusammenhänge, keine Ursachen.

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